Was soll ich den Tauben sagen? 

Das Fütterungsverbot für Tauben (gegen Tauben!) – ohne die Ergreifung weiterer Maßnahmen wie eine ausreichende Zahl betreuter Taubenschläge oder kontrollierter Futterstellen in der Stadt – ist unfassbare Tierquälerei und Diskriminierung pur. Ausgrenzung. Aushungern. Ausliefern.

Alle Vögel dürfen etwas zu essen haben – nur Tauben nicht.

Alle Vögel dürfen ins Futterhäuschen – nur Tauben nicht.

Werte Verantwortliche, die ihr satt in euren Bürostühlen sitzt:

* Eine Taube benötigt ca. 40 g Körner am Tag. Mais, Erbsen, Weizen und Ähnliches.

* Tauben sind standorttreu. Sie fliegen also nicht mal eben raus aufs Land und suchen sich eine Ähre, an der sie schütteln können.

Was sollen Tauben in den Städten also essen, wenn ihnen niemand artgerechte Nahrung geben darf? Was sollen Tauben ihren Küken zu essen geben, die hungrig in den auf Spikes gebauten Nestern warten?

„Tauben finden in München mehr als genug!“, höre ich euch sagen.

Was finden sie denn?

Und vor allem: WO finden sie es?

Was bitte soll ich der Taube sagen, die verzweifelt und ausgehungert vor meinen Füßen herumläuft, die mich von unten flehentlich anblickt und um ein bisschen Essen bittet?

Soll ich ihr sagen:

Schau doch einfach mal zum Bäcker an der nächsten Ecke. Beim Ausladen der Backwaren landen bestimmt ein paar kleine Semmelkrümel auf dem Boden. Um die kannst du dich mit deinen 20 Taubenkumpels streiten. Vielleicht erwischst du einen der Krümel. Natürlich nur, falls der Lieferant euch nicht vorher zur Seite tritt.

Oder soll ich ihr sagen:

Lauf einfach den ganzen Tag in der Einkaufsstraße herum. Vielleicht lässt ein Kind im Buggy ein Stückchen Breze fallen. Klar, Brot verklebt deinen Kropf – aber es kann auch sein, dass du diesmal noch mit dem Leben davonkommst. Klar, du kannst das Brezenstück mit deinem Schnabel nicht zerkleinern – aber ihr seid ja zu mehreren. Schleudert das Stück einfach ganz oft durch die Luft. Dabei erwischst du nach einer Stunde ganz bestimmt ein Mini-Eckchen davon.

Oder soll ich ihr sagen:

Flieg zur nächsten Fastfood-Kette. Da wirft immer mal jemand eine zu dunkel frittierte Pommes auf den Boden. Klar, Pommes sind zu salzig und zu fettig für dich als Körneresser – aber stell dich nicht so an! Klar, eine Pommes für 30 Tauben ist fast nichts – aber wer eine Pommes nicht ehrt, ist die Pizza nicht wert.

Oder soll ich ihr sagen:

Schau einfach hinter der nächsten Bar oder Disco. Da hat bestimmt ein Mensch hingekotzt. Wühl mit deinem Schnabel im Erbrochenen – vielleicht hatte der Mensch Brot oder Maissalat zum Abendessen. Das ist doch perfekt für euch Tauben.

Oder soll ich ihr sagen:

Such dir am Bahnhof ein Kaugummi, das ein Mensch ausgespuckt hat. Das macht bestimmt auch satt. Klar, so ein Kaugummi verklebt deinen Kropf und deinen Magen und hat keinen Nährwert – aber man kann halt nicht alles haben!

Na, mitgezählt?

Das waren: 1 Semmelkrümel, 1 Mini-Eckchen Breze, 1 Millimeter verbrannte Pommes, ein paar Kotzebröckchen und mit etwas „Glück“ 1 Kaugummi. Der Zeitaufwand dafür: mindestens ein ganzer langer Tag, an dem die Taube mit Fliegen, Herumlaufen und der Flucht vor achtlosen Menschenbeinen viel Energie verloren hat.

WAS soll ich den Tauben also sagen?
WO finden sie genug zu essen?

Liebes Täubchen,
ich nenne Dich Fleur und denke an Dich. 
Wo auch immer Du bist, ich wünsche Dir Frieden.









 

Gestern wurde eine ganz arme Taube gemeldet, bei mir in der Nähe. Es hieß, sie würde vor einem Wohnhaus sitzen und sich sogar streicheln lassen (so schlecht ging es ihr, dass sie die bedrohliche Nähe von Menschen ertrug, nein, ertragen musste). Die Melder nahmen die Taube aber leider nicht mit ... 20 Minuten nach der Meldung war ich dort, doch es war keine Taube mehr zu sehen. Nur ein bisschen grüne, dünnflüssige Hinterlassenschaft lag auf den Stufen vor dem Haus - der Beweis, dass sie bis vor kurzem noch dort gesessen hatte. Vor dem Haus wurden gerade die Hecken und Sträucher geschnitten. Ich habe 2 Stunden lang die gesamte Umgebung abgesucht. Habe in Hecken geschaut, in die Mülltonnen und Papierkörbe, zwischen die Fahrräder ... Ich habe den Hausmeister nach der Taube gefragt, die Arbeiter, einen Anwohner - angeblich hat niemand etwas gesehen. 

Der Tag gestern war für mich gelaufen. Weil ich schon so viel Schlimmes gelesen und gesehen habe, habe ich Bilder im Kopf, was mit diesem armen Täubchen passiert ist. Ich fürchte, irgendjemand hat sie einfach irgendwo entsorgt ... Es tut mir im Herzen weh, dass ich sie nicht gefunden habe. 

Und es zeigt wieder einmal ganz deutlich:
Hilflose Tiere bitte IMMER SOFORT mitnehmen - egal, was ist. 
Selbst wenn man nur 5 Minuten weggeht, kann es für die Taube schon das grausame Ende sein.

Liebes Täubchen, ich nenne Dich Fleur und denke an Dich. Wo auch immer Du bist, ich wünsche Dir Frieden.

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