
Cher Ami
Die kleine Maus kam über eine Meldung zu mir. "Taubenküken im Neuraum". Mitten unter den Leuten, im Außenbereich des Clubs, saß eine verstörte Taubenmutter, in einem Eimer Streusalz, auf ihren firsch geschlüpften Babys.
Alle drei wurden schnell eingepackt und aus dem Trubel geholt.
Die ersten Stunden nach der Rettung waren schwer. Die Taubenmutter war dermaßen verstört, dass sie sich keinen Millimeter mehr bewegte und so auch ihre Kleinen nicht mehr versorgte. In Sorge um das Wohlergehen der Babys wurde Brei per Sonde gefüttert und bereits ein Inkubator organisiert, damit sie per Hand aufgezogen werden können. Alles war hergerichtet, Inkubator war bereits warmgelaufen, die Kleinen sollten gleich von der Mutter genommen werden... und genau in diesem Moment fütterte sie ihre Kleinen das erste Mal wieder selber! Große Erleichterung!
Die nächsten Tage wuchsen die zwei Kleine fleißig weiter.
Wegen der Arbeit musste ich kurze Zeit wegfahren. In der Zeit wurden die Tiere von weniger Taubenkundigen Leuten versorgt. Als ich wieder kam der Schock, eins der Küken war deutlich kleiner als das andere, wurde offensichtlich von der Mutter nicht mehr versorgt und aus dem Nest geworfen. Das Kleine war sehr kühl und schwach, in großer Panik wurde es gewärmt und anschließend mit Brei versorgt.
Glücklicherweise erholte es sich schnell und konnte unter strenger Beobachtung und weiterem Zufüttern wieder zu Mutter und Geschwisterchen.
Die beiden entwickelten sich stetig weiter und auch die Mutter entspannte sich etwas. Alles schien gut zu verlaufen bis plötzlich das größere, stärkere Baby nicht mehr laufen konnte und sich nur noch mit den Flügeln über den Boden zog.
So gings ab zum Tierarzt. Vermutung war ein neurologisches Problem, ausgelöst durch Kokzidien.
So ging es an die Behandlung der Kokzidien. Und das Kleine machte sich. Es konnte tatsächlich immer besser laufen und bald auch wieder stehen. Durch seine Stärke und die Kraft, sich da wieder rauszuarbeiten bekam es den Nemen Amari, welcher aus dem afrikanischen stammt.
Doch dann der Rückschlag, plötzlich konnte es wieder nicht laufen und das noch schlechter als zuvor, dazu atmete es schwer. So ging es wieder zum Tierarzt, diesmal mit dem Verdacht auf einen Infekt durch das geschwächte Immunsystem.
Die Ärztin brachte hier bereits an, dass eine Euthanasie möglich wäre.
Doch ich wollte alles was möglich ist probieren, da es sich ja bereits aus dem Letzten so stark rausgekämpf hatte.
Das Kleine wurde so in eine Sauerstoffkammer gesetzt und musste erstmal beim Tierarzt bleiben.
Am späten Nachmittag, als es sich stabilisiert hatte ging es ins Röntgen. Am Abend bekam ich den Anruf der Ärztin die mir sagte, dass das Kleine direkt eingeschläfert werden muss. Es kann nichts mehr für das Kleine getan werden.
Im Röntgen zeigte sich, dass es kein Infekt war.
Das Bild zeigte unzählige Knochenbrüche auf, teilweise bereits verheilte. Auch hatte ein Bruch die Lunge beschädigt, wodurch Blut hineingelaufen war und die schwere Atmung ausgelöst hatte. Die Knochen waren viel zu schwach ausgebildet, das Kleine hatte Glasknochen welche bei jeder Kleinigkeit gebrochen sind.
Amari musste erlöst werden.
(In dem Moment in dem Amari eingeschläfert wurde, kam bei mir die Frage an, ob ich zu meinen braunen Kücken noch eins haben wolle - Freddy - ich bin nicht so der Esoterik-Typ aber vielleicht war das eine Form von Reinkarnation... Freddy ist aber eine andere Geschichte...)
So saß da nur noch das kleine Küken... aus Angst, dass es unter dem selben genetischen Defekt litt, musste auch dieses nocheinmal zum Tierarzt. Glücklicherweise konnte bei ihr nichts ernstes festgestellt werden.
Das Kleine wuchs und wurde immer anhänglicher. Durch eine Freundin bekam es den Namen Cher Ami, was so viel wie "guter Freund" bedeutet.
Cher Ami entwickelte sich zu einer kleinen Rampensau die immer vorne dabei ist. Sie braucht immer ihren Auftritt und schaut sich Fremde ganz genau an - am liebsten von deren Kopf aus.
So ging sie bereits mit mir mit in die Arbeit und zeigte vielen Kindern wie toll Tauben sind und begeisterte auch die Erwachsenen schwer.
Leider ist das hier noch nicht das Happy End welches wir uns erhofft hatten.
Inzwischen ist die kleine Maus alt genug und legt selber Eier. Hier zeigte sich schnell, dass ihr das extreme Schmerzen bereitet. Sie liegt in der Zeit des Eier legens viel schwach herum und hat Schmerzen bis sie sich übergibt. Dazu legt sie extrem schnell neue Eier. Aus Sorge musste sie wieder mit zum Tierarzt, welcher feststellte, dass auch die Eierschale viel zu dünn ist.
Aufgrund der Problematik mit ihrem Geschwisterchen, wurde sie ins Röntgen geschickt. Auch ihre Knochen sehen nicht so aus wie sie sollten. Sie hat einen extremen Calciummangel, welcher durch das Eier legen und den damit verbundenen Calcium verbrauch, noch verstärkt wird.
Um ihren Körper und vor allem ihre Knochen langfristig zu schützen, bekam sie eine extreme Calcium-Kur und einen Hormonchip, welcher das Eier legen verhindert.
Demnächst muss sie erneut ins Röntgen um zu sehen, ob die Calciumgabe erfolgreich war und die Knochenstruktur besser ist. Ist dies nicht der Fall, wird sie den Hormonchip ihr Leben lang benötigen.
Wir hoffen auf das Beste und würden uns über Paten für die kleine Kämpferin sehr freuen!
















